32 Stunden Fasten – Meine Erfahrungen

von Anja | Sugarfree Naturally

„Niemals! Das kann ich auf gar keinen Fall. Sowas kommt nicht in Frage!“. Das waren meine ersten Reaktionen als mir geraten wurde zu fasten, bevor ich mit Probiotika beginne. Ich wollte endlich mal das Thema Darmaufbau angehen und hab mich darüber mit einer Darmspezialistin unterhalten. Magda von „Eat That“ hat sich dem Thema Darm verschrieben und informiert auf ihrem Kanal sehr viel dazu. Zudem ist sie eine große Verfechterin des Fastens. Sie macht das sehr regelmäßig und hat mit so viel Energie und Elan von ihrem letzten Fastenerlebnis und der Motivation innerhalb der Fastengruppe berichtet, dass sie mich nach einigen Minuten komplett mitgezogen hatte. Mein Kopf fing langsam an zu rattern: „24 Stunden, das könnte doch machbar sein, oder?“

Ich bin vor einigen Monaten schon eher zufällig ins Intervallfasten gerutscht. Als vor einem Jahr dieser Hype darum losging und gefühlt jeder mit Intervallfasten begonnen hat, hab ich es komplett abgelehnt. Ich bin ein großer Freund davon, auf seinen Körper zu hören, statt sich an steifen Zahlen und Uhrzeiten festzuklammern. Und ich konnte absolut nicht ohne Frühstück in den Tag starten. Da hätte mein (morgens eher schwacher) Kreislauf nicht mitgemacht. Doch im Herbst letzten Jahres (mit dem Absetzen der Pille) hat sich mein Körper plötzlich überlegt, dass er morgens gar keinen großen Hunger mehr hat. Mir wurde plötzlich eher schlecht, wenn ich gezwungen war zu frühstücken, ohne Hunger zu haben. Also hab ich auf meinen Körper gehört und nur gegessen, wenn ich Hunger hatte. Und das war meistens gegen 11 Uhr morgens und somit 15-16 Stunden nach der letzten Mahlzeit. Statt mit einem Frühstück, hab ich mir angewöhnt morgens mit einer großen Tasse grünem Tee in den Tag zu starten. Das tat meinem Kreislauf sehr gut. An Sport ohne ein kleines Frühstück ist bei mir aber natürlich immer noch nicht zu denken. 

Man muss dazu sagen, dass ich in einer ziemlich luxuriösen Ausgangsposition bin. Ich arbeite im Home Office. Mein Arbeitsweg besteht aus 5 Schritten durch die Wohnung ins Arbeitszimmer und ich habe keinen körperlich anstrengenden Job. Wenn ich Termine auswärts habe oder wesentlich früher als 6:30 Uhr aufstehen muss, gehe ich auch nicht aus dem Haus, ohne zumindest ein kleines Frühstück gegessen zu haben.
Durch das Intervallfasten kannte ich also schon eine Essenspause von 16 Stunden. Da schienen 24 Stunden gar nicht mehr so weit entfernt. Und so rechnete ich: Wenn ich abends um 19 Uhr das letzte Mal etwas esse und normalerweise um 11 Uhr wieder etwas essen würde, dann muss ich ja nur noch 8 weitere Stunden aushalten. Ein Arbeitstag. Allerdings wusste ich ja auch, welchen Bärenhunger ich jeden Tag um 11 Uhr habe. Da muss dann schnell was her, sonst gibt’s Tote 😄 Es klang nach einer riesigen Herausforderung für mich, aber gleichzeitig auch irgendwie realistisch. 

Doch warum fastet man eigentlich? 

Der Hintergrund des Fastens soll zumeist sein, dass man seinem Körper (und vor allem auch seinem Darm) die Möglichkeit gibt zu regenerieren. Alle unsere Körperzellen ziehen ihre Energie vorrangig aus Glucose. Das ist quasi ihr bevorzugter Brennstoff. Glucose findet sich in den typischen Kohlenhydrat-Quellen, wie beispielsweise Getreide und Zucker, aber auch in Obst und Gemüse in unterschiedlichen Mengen. Wenn der Körper mehr Glucose zur Verfügung hat als er benötigt (was mit einer Mahlzeit oft der Fall ist), werden Speicher angelegt. Das heißt in der Zeit, in der wir mal Nichts essen, greift der Körper darauf zurück. Diese Glucose-Speicher leeren sich nach ca. 12 Stunden (manche sagen auch 16-24 Stunden). Der Körper ist jedoch in der Lage auch aus anderen Stoffen Energie zu produzieren. So wird im nächsten Schritt der Stoffwechsel umgestellt und Fett umgewandelt, sodass dieses als Energiequelle für die Zellen verwendet werden kann. Dieser Vorgang nennt sich Ketose und ist übrigens auch der Prozess auf dem die ketogene Ernährung aufbaut. Auch hier steht Fett als Energielieferant im Mittelpunkt und es wird meist nur ein Minimum an Kohlenhydraten zu sich genommen.

Bereits nach 10 Stunden soll die Autophagie-Phase beginnen. Hier kommt die eigentlich erst so richtig spannende Phase. Denn nun räumt der Körper auf und geht in einen Zustand der Selbstreinigung. Alte Zellen und fehlerhaft zusammengesetzte Proteine werden in ihre Einzelteile aufgespalten, sodass sie dann vom Körper zu neuen Zellen, Proteinen etc. zusammengesetzt werden können. Es ist also ein körpereigenes Recycling-Programm. Erste wirkliche Effekte sollen nach 17 Stunden auftreten und den Höhepunkt der Autophagie hat man wohl nach 70 Stunden erreicht. Soweit die Theorie. 

Im Autophagie-Bereich wird immer mehr geforscht, um die genauen Zusammenhänge aber auch Risiken herauszufinden. Bereits seit den 1960er Jahren wird sich mit dem Thema auseinandergesetzt. 2016 wurde die Forschung zur Steuerung der Autophagie mit dem Nobelpreis für Medizin gewürdigt. Es ist also noch ein langer Forschungsweg 😉 

So ist es auch nicht verwunderlich, dass für den Startzeitpunkt der Autophagie (also des Körper-Recycling-Programms) ganz unterschiedliche Werte angegeben werden. Mal liest man von 24 Stunden, mal von 12-16 Stunden oder auch nur von 10 Stunden, sodass die Autophagie dann auch schon beim täglichen 16/8-Fasten (also 16 Stunden fasten, 8 Stunden essen) starten würde. 

Buchinger who?! Viele verschiedene Heransgehensweisen ans Fasten

Je mehr ich mich mit dem Thema Fasten beschäftigt habe, desto verwirrter wurde ich. Die einen trinken nur noch Säfte, die nächsten nur noch Brühe (wie beim Fasten nach Buchinger). Dann gibt es noch die Möglichkeit einfach „nur“ die tägliche Kalorienzahl auf 500 kcal zu beschränken. Es gibt einfach so viele Ansätze und Meinungen zu dem Thema. Und jeder hält seine Variante für die einzig wahre. 
Ich habe mich Magdas Herangehensweise angeschlossen. Das hieß, für mich gab es nur Wasser (mal mit einem Mini-Spritzer Zitrone), ungesüßten Kräutertee, Grünen Tee, Schwarzen Tee und Salzwasser. Das schien für meine kurze Fastenzeiten sinnvoll. Ja, 24 Stunden ist tatsächlich kurz und alle Fasten-Profis würden über diesen Zeitraum nur müde lächeln. Denn viele fasten über mehrere Tage. Da sind 72 Stunden fast schon das Mindeste.

Für mich schien es logisch meinem Körper eben mal keine Energie von Außen über Glucose oder Ähnlichem zuzuführen (was ich mit einer Brühe zwangsweise gemacht hätte), sodass er sich auf seine eigenen Ressourcen besinnt. Denn jegliche Form von Kalorienaufnahme (auch wenn es nur Fett oder Proteine sind) würden den oben beschriebenen Prozess der Autophagie stören. Und das war ja eigentlich mein vorrangiges Ziel.

Die Vorbereitung

Die Vorbereitung aufs Fasten beginnt schon einige Zeit vorher. Man sollte 1-2 Wochen vorher langsam mit einem Intervallfasten beginnen und nicht gleich von 0 auf 24 Stunden gehen. Dieser Sprung ist für den Körper sonst einfach zu groß. Als letzte Mahlzeit vor dem Fasten wurde mir eine Gemüsesuppe empfohlen. Insgeheim hatte ich gehofft, es sei ein großer Teller Nudeln mit leckerer Käsesoße. Aber natürlich bringt es nichts, sich vorher mit eher darmbelastenden Mahlzeiten den Bauch voll zu schlagen. Wir wollen ja schließlich entlasten. Bei mir gab es keine Gemüsesuppe, sondern eine Rinderknochenbrühe mit Gemüse, ein paar Reisnudeln und einem gekochten Ei. Also vor allem viele Proteine. Ich habe mich genau an meinen Plan gehalten und um 18:53 meinen letzten Löffel Suppe gegessen. Und wie es mit Suppe immer so ist, hatte ich bereits um 22 Uhr schon wieder einen leichten Anflug von „Ein paar Chips wären jetzt ganz geil“-Stimmung. Denn Suppe rutscht bei mir immer schnell durch. Hat sich also nach 3 Stunden schon richtig gut angefühlt, dieses Fasten….nicht 😄 

Das letzte Abendmahl für mindestens 24 Stunden

Mein Fastentag

Die erste Nacht hab ich super geschlafen. Kein Wunder. Denn das kannte mein Körper ja auch schon. Am nächsten Morgen hab ich versucht meine Routinen einfach beizubehalten. Das heißt als erstes eine große Tasse grünen Tee. Dann eine ganz kurze, entspannte Runde Yoga zur Mobilisierung, 15 Minuten Meditation. Dann die zweite große Tasse Tee. Dieses Mal Brennnesseltee. Um einen Überblick über meine Trinkmenge zu behalten, hab ich tatsächlich mal sehr genau getrackt wie viel ich getrunken habe. Denn das war meine Durchhalte-Strategie: immer trinken. Bereits mittags war ich so schon bei knapp über 2 Litern. 

Meine Getränkeauswahl an dem Tag sah wie folgt aus:

  • grüner Tee
  • Brennnesseltee
  • stilles Wasser (opt. mit einem Spritzer Zitrone oder Limette)
  • Kamillentee
  • schwarzer Tee
  • Fenchel-Anis-Kümmel-Tee
  • Salbei-Tee
  • Tee mit frischem Ingwer und frischer Minze
  • Zitronengras-Tee
  • Zimt-Tee (Zimtstange mit heißem Wasser aufgegossen)
  • Kräutertee

Kein Knurren, keine Bauchschmerzen

Normalerweise ist mein Bauch nicht so entspannt, wenn ich länger nichts esse. Erst knurren, dann Bauchschmerzen lautet da oft die Devise. Doch das blieb an dem ersten Fastentag komplett aus. Ich hab einfach immer durchgehend so viel getrunken, dass mein Magen gar nicht knurren konnte. Denn das Bauchknurren kommt durch die Verwirbelung von Luft und Magensäure im Magen zustande. Wenn der jedoch dauerhaft mit Flüssigkeit gefüllt ist, kam er nicht zum Knurren.Und so blieben tatsächlich auch die Bauchschmerzen aus. Ein richtig angenehmes Gefühl war es trotzdem nicht. Es war dauerhaft das Gefühl, das man hat, kurz bevor der Magen knurrt. Schwarzer Kaffee soll dagegen auch gut helfen. Leider mag ich keinen Kaffee, sodass diese Option für mich komplett raus fiel. Genauso wie das Scrollen durch Instagram und Facebook, die beide gefühlt nur noch aus Essensbildern bestanden.

Meine Mittagspause bestand dann auch nicht aus einem Mittagessen, sondern aus einem entspannten Spaziergang mit dem Hund in der Sonne. Natürlich mit einem Tee to go in der Hand. Denn ich war mir nicht ganz so sicher, ob mich ein Spaziergang vielleicht eher tiefer ins Hungerloch ziehen und meinen Kreislauf zusammenbrechen lassen würde. Trinken hat wie immer geholfen. Und während ich mir Gedanken machte, ob ich einen 30-minütigen Spaziergang bei schönstem Wetter überleben würde, lese ich, wie in der Fasten-Gruppe jemand Langlaufen geht. Oder ein anderer mal kurz 1,5 Stunden im eigenen kleinen Home Gym trainiert. Wow. Daran war bei mir nun wirklich nicht zu denken.

Nach dem Spaziergang hatte ich auch tatsächlich richtig viel Energie. Zumindest für die nächsten 4 Stunden 😄 Generell kann ich nicht behaupten, dass der Fastentag jetzt mein energiereichster Tag ever war. Ich habe mich nicht besonders gut, aber auch nicht besonders schlecht gefühlt. Es war einfach okay. Und so vergingen die restlichen Stunden bis 19 Uhr auch erstaunlich schnell und unspektakulär. Ich hab reichlich Schritte zwischen Küche, Arbeitszimmer und Toilette gesammelt, da der ganze Tee natürlich auch wieder raus musste. Zwischendurch wollte ich meinen Elektrolyte-Haushalt unterstützen und ein Glas Salzwasser trinken, um meiner leichten Zittrigkeit entgegen zu wirken. Alle sprachen von einem Glas Wasser mit einem Teelöffel Salz darin. Ich hab mit einem halben Teelöffel gestartet. Und es war absolut widerlich. Kommt definitiv in meine TOP 3 der ekligsten Getränke bisher. Die größte Kunst war, das runterzubekommen ohne sich dabei übergeben zu müssen. Bitte macht das nicht. 

24 Stunden und weiter?

Ich konnte es kaum glauben, als es plötzlich 19 Uhr war und die 24 Stunden um. 24 Stunden. Wer hätte das gedacht. Ich hab mich so an dieser Uhrzeit festgeklammert, dass ich es dann irgendwie schon etwas unspektakulär fand als ich es wirklich geschafft hatte. Von Anfang an hab ich mir gesagt: 24 Stunden ist das Ziel, alles darüber hinaus Bonus. Das Ziel hatte ich erreicht. Aber sollte ich weitermachen? Ich habe versuche in mich reinzuhören und herauszufinden, wie es mir geht. Ich war etwas zittrig und wackelig auf den Beinen, aber noch nicht wirklich besorgniserregend. Es wäre ja nur noch die Nacht. Die merkt man ja quasi gar nicht. Gleich morgen Früh gäbe es Suppe und alles wäre vorbei. Das Schlimmste ist sicher der Tag und den hab ich ja wirklich gut gemeistert. Also beschloss ich weiterzumachen.

Am Abend saß ich dann das erste Mal am Tag auf der Couch und hab gemerkt wie mich Hunger, Zittrigkeit und ein Schwächegefühl einholen. So schlimm wie den gesamten Tag nicht. Da hatte ich zum ersten Mal leichtes Kopfdrücken. Ich hab mir deshalb noch einen Zimt-Tee gemacht und wollte einfach nur noch schnell ins Bett. Wohl wissend, dass ich nach über 6,5 Litern Trinkmenge am Tag sicher in der Nacht noch ein paar Mal aufstehen darf. Sicherheitshalber habe ich mir noch eine kleine Flasche Wasser und Traubenzucker mit ans Bett genommen. Mein kleines Notfall-Set. Man weiß ja nie.

Die zweite Nacht und das Fastenende

Ich hatte erwartet total müde und erschöpft ins Bett zu fallen. Doch genau das Gegenteil war der Fall. Ich lag noch 1,5 Stunden wach und habe gelesen. Keine Spur von Müdigkeit. Nach 4 Stunden Schlaf bin ich dann um 2:30 aufgewacht. Hellwach, aber keinen Hunger. Ich wollte kurz ins Bad huschen, in der Hoffnung, danach wieder einschlafen zu können. Doch bereits beim Aufsetzen im Bett hab ich gemerkt, dass etwas nicht passte. Mein Kopf tat so weh, wie den gesamten Tag nicht. Ich hab also erstmal zu meiner Wasserflasche gegriffen. Trinken hat bisher immer geholfen, dachte ich. Immer außer jetzt. Es wurde eher schlimmer. An Aufstehen war überhaupt nicht zu denken. Also hab ich mich erstmal wieder hingelegt. Mein Puls war so stark, dass ich das Gefühl hatte mein ganzer Körper bebt. Ich habe geschwitzt und hatte kalten Schweiß überall. Mir wurde schlecht. Mein Kopf hat immer stärker gesummt. Meine Beine und Arme waren taub. Ja, mein Kreislauf hatte sich einfach verabschiedet. Ich konnte nicht mal mein Handy in der Hand halten. Bis 3 Uhr habe ich mich noch durchgekämpft. Dann habe ich auf meinen Körper gehört und nach 32 Stunden das Fasten beendet. Mit einem kleinen Stück Traubenzucker, das leider überhaupt nicht geholfen hat. Erst ein halber ungesüßter Dinkelzwieback hat mich gefühlt halbwegs wieder lebensfähig gemacht. An Aufstehen war zwar noch immer nicht zu denken, aber ich fühlte mich ein ganz klein wenig besser und konnte wieder einschlafen.

Die Nacht, von der ich dachte, sie sei der einfache Part, wurde mir also etwas zum Verhängnis. Das hat mir auch gezeigt, wie wichtig tagsüber das viele Trinken für mich war, um das durchzustehen. Denn genau das hat natürlich in der Nacht auch mit gefehlt. Am nächsten Tag bin ich gleich mit einem Tee und einer Brühe gestartet. Und hab dann erst die Auswirkungen wirklich gemerkt. Mir war unfassbar kalt, ich war müde, konnte mich schlecht konzentrieren, war schwach. Ich hab mich insgesamt viel schlechter gefühlt als am Fastentag selbst. Meine Hände und Beine waren noch immer leicht taub und haben gekribbelt. Ein sehr eigenartiges Gefühl. Und auch einen weiteren Tag später hatte ich noch mit Müdigkeit und Kopfschmerzen zu kämpfen. Und mit einem riesigen Appetit. 

Hab ich versagt?

Ich muss zugeben, dass ich, obwohl es mir in der Nacht so schlecht ging, anfangs enttäuscht war, das Fasten nicht bis zum Morgen weiter durchgezogen zu haben. Überall liest man davon, dass es reine Kopfsache sei. Der Körper könne das schon ab. Er sei darauf programmiert. Man müsse nur durchhalten. Andere ziehen das 72 Stunden und länger durch. Und gehen dabei noch Langlaufen oder Gewichte stemmen. Ich fühlte mich irgendwie als hätte ich versagt. Bis ich mir bewusst gemacht habe: Ich habe verdammte 32 Stunden nichts gegessen. Vor 3 Wochen hielt ich nicht mal 24 Stunden (oder irgendwas über 16 Stunden) für möglich. Motivation ist wichtig und bringt uns über einige Grenzen hinaus, aber nichts ist wichtiger als unsere Intuition und unser Körpergefühl. Wenn es sich währenddessen schwer anfühlt, ist das vollkommen okay und normal. Aber es sollte sich niemals so unfassbar schlecht anfühlen, dass man gar nichts mehr machen kann.
Körpergefühl ist etwas, das wir häufig im Laufe des Lebens verlernen. Oft müssen wir für uns, für andere, für unseren Job funktionieren. Wir können nicht so oft Schwäche zeigen. Alles muss irgendwie begründet werden. Jeden Tag soll der Körper funktionieren. Doch wenn ich irgendetwas in den letzten 4 Jahren Unverträglichkeit gelernt habe, dann dass unser Körper ein kleines Wunder ist. Und wir oft viel zu schlecht mit ihm umgehen. Stress wirkt sich beispielsweise auf fast alle Körperfunktionen aus. Und wie oft verspüren wir am Tag Stress?! Ich bin noch immer dabei, wieder mehr ein Gefühl für meinen Körper zu entwickeln. Auch wenn das esoterischer klingt als es eigentlich ist. Es geht einfach darum herauszufinden, was einem gut tut und was nicht. Da ist nicht jeder Tag gleich. Und es gibt auch nicht immer die eine Regel für alle. Aber es ist wichtig sich damit auseinanderzusetzen. Auch um beispielsweise seine endgültigen Grenzen herauszufinden. 

Fasten während der Arbeit – Geht das?

Ich habe an dem Tag normal im Home Office gearbeitet. Das ging erstaunlicherweise ganz gut. Ich bin mir aber sicher, dass ich es auswärts oder bei schwerer körperlicher Arbeit auf keinen Fall durchgezogen hätte. Da sollte man sich besser das Wochenende dafür nehmen oder ein paar Urlaubstage nutzen.

Ist Fasten denn nun gesund?

Diese Frage ist nicht so leicht zu beantworten und die Antwort wird, je nachdem wen man fragt, auch ganz unterschiedlich ausfallen. Das Fasten hat sicher sehr viele gute Eigenschaften, die ich oben ja schon beschrieben habe. Aber wie immer, gibt es auch dort Gegenstimmen. Beispielsweise, dass Muskelmasse abgebaut wird, wenn zu lang gefastet wird. Oder dass man nach dem Fasten umso schneller zu nimmt, weil der Körper wieder Reserven für die nächste „Hungersnot“ schaffen will. Oder auch, dass der Körper sehr stark übersäuert (über die Theorie des Säure-Basen-Haushalts werde ich ein anderes Mal berichten). Durch die Anpassung des Stoffwechsels wird Fett in Energie umgewandelt, was unter anderem zu dem toxischen Abbauprodukt Aceton führt. Deshalb bekommt man beim Fasten zum Beispiel auch oft Mundgeruch, da dieses auch über den Atem aus dem Körper geschafft wird.

Ich hatte auch den Eindruck, dass meine unreine Haut mit und nach dem Fasten noch wesentlich schlimmer geworden ist. Seit ich die Pille abgesetzt habe, sind meine Haut und ich eh nicht die besten Freunde. Und das Fasten hat uns einander nicht unbedingt näher gebracht. Ich bekam vor allem sehr viel mehr entzündete Stellen unter der Haut, die wirklich geschwollen waren und weh taten. 

Ich bin kein Arzt und habe mich nicht unendlich tief in dieses Thema eingearbeitet. Deshalb kann ich nur meine persönliche (und somit vielleicht eher oberflächliche) Meinung dazu abgeben. Und ich muss sagen: wenn ich von Schüttelfrost, durchgehendem Kältegefühl, tauben Armen und Beinen, Kopfschmerzen, Herzrhythmusstörungen, Konzentrationsschwäche und durchgehend sehr weichen Knien höre, kann ich nur schwer glauben, dass das wirklich ein gesunder Zustand für den Körper sein soll. 
Und auch die Deutsche Apothekerzeitung spricht sich gegen ein längeres, strenges Vollfasten oder Wasserfasten, wie ich es getan habe, aus. Sie empfehlen ein Mindestmaß an Nährstoffen und mindestens 200-400kcal pro Tag. Oder einfach das Intervallfasten. 

Jedoch ist auch das Intervallfasten nicht unumstritten. Gerade für Frauen kann es einige Hormonschwankungen hervorrufen. Dazu kann ich euch die Podcast-Folge von Rabea Kieß sehr ans Herz legen.

Ich persönlich hatte das Gefühl, dass die 24 Stunden für mich okay waren und keine sonderlich schlimmen Auswirkungen hatten. Alles darüber hinaus hat zumindest mir nicht gut getan, sodass ich zwei Tage brauchte, um mich davon zu erholen. Aber auch hier hängt es meiner Meinung nach von verschiedenen Einflussfaktoren ab.

Die Einflussfaktoren

Je mehr man wiegt und man dem Fasten quasi entgegenzusetzen hat, desto einfacher könnte ich mir das vorstellen. Ich bin derzeit eher zierlich und durch das Fasten sogar kurzfristig ganz knapp ins leichte Untergewicht gerutscht. Das ist nicht schlimm und gibt sich wieder und ist vor allem meiner 4-wöchigen Zwangsisolation und Sportpause Ende des letzten/Anfang diesen Jahres geschuldet. Aber vielleicht wäre es anders abgelaufen, wenn ich etwas mehr Muskel- oder Fettmasse gehabt hätte.
Zudem denke ich, dass man auch den Faktor Hormone nie außer Acht lassen sollte. Seit 6 Monaten beschäftige ich mich verstärkt mit dem Thema Hormone und weiblicher Zyklus. Sie haben einen riesigen Einfluss auf den Körper. Das merken Frauen spätestens, wenn sie mal die Pille absetzen und mit den Auswirkungen zu kämpfen haben.

Macht Fasten bei Intoleranzen Sinn?

Wenn man sich die Vorteile des Fastens betrachtet, kann das durchaus Sinn machen. Denn Unverträglichkeiten entstehen häufig auch durch eine geschwächte Dünndarmschleimhaut. Mit dem Prozess der Autophagie kann also die Regeneration aller Zellen (auch die des Dünndarms) mit angestoßen werden. 

Ich habe eine Fructose- und Laktoseunverträglichkeit und habe zumindest während des gesamten Fastens keine besonderen Auswirkungen auf meine Verdauung bemerkt. Ich würde Vollfasten auch nur empfehlen, wenn es einem gut geht. Wenn man gerade mit Durchfall zu kämpfen hat, würde ich die Finger von längerem Fasten lassen. Man sollte sich schon gesund fühlen, da es doch eine ziemliche Ausnahmesituation für den Körper ist. Immerhin schaltet er in den Überlebensmodus, der erstmal puren Stress bedeutet.

Genauso verhält es sich mit dem Gewicht. Sobald man auch nur im leichten Untergewicht ist, sollte man auf keinen Fall mit dem längeren Fasten beginnen. Auch bei Krankheiten oder Essstörungen ist davon absolut abzuraten oder nur mit ärztlicher Unterstützung darüber nachzudenken.

Histaminintoleranz

Sollte man an einer Histaminunverträglichkeit leiden, ist ein gänzliches Fasten eher nicht empfehlenswert. Hier sollte besser auf das Intervallfasten ausgewichen werden. 

Fructoseintoleranz

Und auch bei einer Fructoseintoleranz sollte man teilweise vorsichtig sein bei zu langen Fastenperioden. Häufig geht die Intoleranz mit einem Mangel an B12, Folsäure und Zink einher. Diese Makronährstoffe fehlen während des Fastens natürlich auch. 

Das bezieht sich alles auf das Voll- und Wasserfasten. Das heißt keine Nahrung und nur ungesüßte Tees (außer Früchtetee). Ich denke, selbst eine Form des täglichen Intervallfastens kann unseren angeschlagenen Darm schon etwas entlasten. Aber auch hier gilt wieder: jeder Körper ist anders.

Würde ich es nochmal machen?

Ich fand es sehr spannend, diese Erfahrung zu machen. Sie hat mir gezeigt, dass der Körper mehr leisten kann, als man denkt. Und das es tatsächlich häufig eine Motivationssache ist. Ich habe über Instagram und Facebook immer mal von meinem Fastentag berichtet und sehr viele aufmunternde, unterstützende Worte erhalten. Und ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass das nicht auch sehr dazu beigetragen hat, das durchzuziehen. Im Nachhinein betrachtet waren die 24 Stunden auch nicht so schlimm, wie ich erwartet hätte. Eine Zeit darüber hinaus oder sogar über 3 Tage kommt aktuell für mich nicht in Frage. Mein Körper ist für den Moment an seine Grenzen gelangt und ich bin froh und auch ein bisschen stolz, das erkannt zu haben. 

Und ich kann euch sagen: Wenn ich das schaffe, schafft das jeder. Mit der richtigen Vorbereitung ist das kein Problem. Aber das bedeutet trotzdem nicht, dass es jedem wirklich jederzeit gut tut. Wie ich schon gesagt habe, hängt das von verschiedenen Faktoren ab. Vielleicht wäre es bei mir 3 Wochen später auch anders verlaufen. Deshalb wirklich immer mein Appell an euch: Hört auf euren Körper. Haltet inne und hört rein, wie es ihm geht und was er gerade braucht oder eben nicht braucht. Selbst langsam ins Intervallfasten reinzukommen kann schon ein großer und guter Schritt sein. Es muss nicht immer gleich in 24, 48 oder 72 Stunden Fasten enden. Jeder Körper ist anders. Denkt immer daran.

Was haltet ihr vom Thema Fasten oder habt ihr vielleicht noch Fragen? Dann schreibt es mir gern in die Kommentare und wir quatschen noch etwas dazu.

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